Mnemophobia

Kaja Bergmann Mnemophobia

Nemo, zwanzig Jahre alt, lebt in einem schwarzen Leuchtturm. Der war nicht immer schwarz. Erst seit jenem Tag. Seit dem Autounfall. Der Unfall, durch den Nemo sein Augenlicht und seine Freundin Merle ihre Stimme verlor. Ein zu heißer Tag, ein zu müder Kopf, ein zu großer Baum. Nemo saß am Steuer. Seitdem versucht er zu vergessen und verschanzt sich in seinem Leuchtturm an der Küste.

 

Doch einige wenige Menschen lässt er noch in sein Refugium. Da ist natürlich die stumme Merle, immer in seiner Nähe, da sind Darius und dessen Freundin Luna, sowie Emma, eine Zufallsbekanntschaft. Und dann ist Luna plötzlich verschwunden und die Polizei steht vor der Tür ...

Trailer

Ganz, ganz, ganz vielen lieben Dank an Deniz für das wundervolle Lied! :D Bitte mach noch bis in alle Ewigkeit Musik, ja? :)

Leseprobe

Sonntag, 2. November 2014, 16:04 Uhr


Meine Finger verkrampften sich so stark um das nasskalte Geländer, dass ich Angst bekam, sie würden zerbrechen. Ein kurzes Klirren, ein schmerzhaftes Reißen, und sie zerstöben in alle Himmelsrichtungen. Der Nordseewind trüge sie davon, eine leise Melodie auf den Lippen und die Splitter meiner Finger in den Händen. Dann ließe er sie fallen, mitten in die tosende, eisige See, das Salz würde sie langsam zersetzen, würde es weh tun, so weit entfernt von meinem Körper?

Eine leichte Berührung an meiner Wange. Ich zuckte zusammen, ganz kurz nur, der Finger war kalt.

Nemo, malte der Finger, lass uns gehen. Merle nahm meine verkrampfte Hand und zog sie mit sich, weg vom kalten Geländer und den rauschenden Wellen, die sanfte Spritzer auf meinen Wangen hinterließen. Ein zarter Finger wischte sie fort.


Erste Erinnerung

 

Die Welt schwarz. Plötzlich war sie schwarz, obwohl ich wusste, dass ich nicht mehr ohnmächtig war. Doch die Dunkelheit blieb.

„Wo bin ich?“ Meine Stimme rau und fern. Hinterließ blutige Spuren in meinem Hals.

„Nemo … Du bist im Krankenhaus.“

Krankenhaus? Warum war ich im Krankenhaus?

„Ich kann nichts sehen.“

„Ich weiß.“

„Bist du das, Luna?“ Meine Stimme wollte nicht sprechen. Ich zwang sie trotzdem. Manchmal war Härte der einzige Weg. Später wirst du mir dankbar sein.

„Was ist passiert?“

„Du hattest einen Unfall.“

„Wo ist Merle?“

Ich hörte nicht mehr, was Luna antwortete, denn in diesem Moment legte sich eine warme Hand in meine. Ein sanfter Finger malte mir ein H auf den Handrücken. Dann ein I. E. R. Hier.

„Merle, warum sagst du nichts?“

Kann nicht.

Und da begriff ich. Ein Gedanke räusperte sich in meinem Kopf und sagte in einer typisch arroganten, allwissenden Erzählhaltung: „Und das war der Unfall, durch den Nemo sein Augenlicht und Merle ihre Stimme verlor.“

Mein Schrei schaffte es, mich zu betäuben … STOP!

Alternatives Ende

Seit geraumer Zeit existiert ein alternatives Mnemophobia-Ende, das einigen Leuten (*hust* mir! *hust*) tatsächlich besser gefällt, als das ursprüngliche. ^^ Also, falls du die Geschichte gelesen hast und vom Ende enttäuscht bist - schreib mir einfach ne Nachricht! Dann schick ich dir ein anderes. :P